Anmerkungen zur Eröffnung am 1. Dezember 2002
   von Elisabeth Kremer (Stiftung Bauhaus Dessau)
   Mitteldeutsche Zeitung 6.8.2002
   Zerbster Volksstimme 29. Juli 2002 "Dessauer Professorin stellt Region in den Mittelpunkt"
   Volksstimme Magedeburg, 14. Juni 2002
   Mitteldeutsche Zeitung, 20. Juni 2002
   Bernburger Kurier, 22. Juni 2002
   Köthener Zeitung, 21. Juni 2002
Westausgang zeigt filmisches Panorama Anhalts
  Hochschulprojekt in der Martinskirche zeigt Entwicklung
und Wandel


Köthen/MZ/ml. Die Fahrt über Eisenbahngleise ist es, die die Zuschauer aus der Perspektive eines Lokführerhauses betrachten, und die sich annähernde Station. "Nächster Halt: Dessau Hauptbahnhof", tönt es aus den Lautsprechern. Dies ist der Auftakt einer Videopräsentation, die im Kirchenschiff der Martinskirche von Angela Zumpe, Professorin für audiovisuelle Medien der Hochschule Anhalt in Dessau, und ihrem Team eröffnet wurde. Der Titel: "Westausgang" - dem Ort gewidmet, an dem die Professorin aus Berlin stets den Weg Richtung Hochschule antritt, nachdem sie in Dessau ihren Zug verlässt.

"Westausgang" ist ein filmisches Panorama, in dem Entwicklung und Wandel der Region Anhalt darstellt und inhaltlich hinterfragt werden. Zeitzeugen, Geschäftsführer und Stadtplaner, die die Wende miterlebten, kommen zu Wort ebenso wie Jugendliche, die sich zu ihren Perspektiven äußern.

"Die zeitnahe Dokumentation der Transformationsprozesse der Region ist überaus bedeutsam", stellte Landtagspräsident Adolf Spotka (CDU) in seiner Eröffnungsrede heraus. Bisherige Transformationsprozesse seien seiner Meinung nach teils im Ansatz stecken geblieben. Die Unternehmensdichte in Sachsen-Anhalt sei zu gering, so Spotka. Das Bundesland verfüge aber über eine effiziente Forschungs- und Bildungsinfrastruktur, hob er hervor. Beeindruckt zeigte er sich gegenüber Angela Zumpe: Es gehöre hohe Sachkenntnis über die Region sowie viel Mut dazu, solch Projekt aufzugreifen.

Mit moderner DVD-Technik flimmern per Videobeamer auf fünf Großbildprojektionen - quasi einem 180-Grad-Kino - Statements von insgesamt 14 Interviewpartnern aus dem öffentlichen, wirtschaftlichen sowie kulturellen Leben der Region. Beispielsweise der ehemalige Leiter des Dessauer Umweltamtes, Herbert Bode, der durch den Umzug des Bundesumweltamtes auf Synergieeffekte für die Region hofft. Oder Marlies Mönke, Laborleiterin der Pixelnet AG, die den Wandel der Region wegen des technischen Fortschritts als positiv und wegen der Ellenbogenmentalität als negativ bewertet. Die mittlerweile entstandene Bürokratie hingegen kritisiert der Geschäftsführer des Bernburger Serumwerkes, Fänger.

Zudem wird historisches Bild- und Videomaterial aus Fernseharchiven und eigenen Quellen präsentiert. Vom Aufbruch der 20er Jahre - mit Hugo Junkers oder dem Bauhaus - über die NS- und Nachkriegszeit bis zur Wende sowie der Jahre danach mit Bildern von Ferropolis, dem Fall der Vockeroder Schornsteine oder der Demonstration nach dem Adriano-Mord.

Musikalisch vertont wird die digitalisierte Präsentation durch Klänge der Londoner Komponistin Jessica Curry, welche die regionale Zeitreise emotional untermalen.

Ein Großteil der Technik wurde von der Hochschule Anhalt (HA) übrigens eigens für die Videoinstallation angeschafft und soll zukünftig auch für weitere Projekte genutzt werden. Insgesamt wirkten in den vergangenen zwei Jahren 19 Personen an der Realisierung dieses Projektes mit, die Hälfte davon Studenten der HA.

Die Tiefen der Region seien durch den Film deutlich geworden, aber auch Hoffnung, so der Rektor der Hochschule Anhalt, Dieter Orzessek, im Anschluss an die Vorführung. Zudem rege der Film, den der Rektor als "großes Werk" bezeichnete, zum Nachdenken an und rufe zum Engagement auf.

"Ich wollte einen genauen Blick auf die Situation hier werfen", beschreibt Angela Zumpe das Ziel ihrer Dokumentation über die Region. Man müsse sich auch mit derer Geschichte beschäftigen. Bewusst habe sie während des Films nichts bewertet oder kommentiert. Lediglich die Sichtweisen der Interviewpartner kommen zum Ausdruck. Daran werde bereits deutlich, was der Film an Diskussionen auslöse, so Zumpe. Ebenso machte sie mit diesem Projekt auf die große Rolle dezentralisierter Medien aufmerksam.

Für die Öffentlichkeit wird "Westausgang", in der Martinskirche bis zum 30. Juni zu sehen sein, und zwar mehrmals täglich in der Zeit zwischen 12 und 18 Uhr (außer Montag). Die Vorführung dauert ca. 50 Minuten.


(Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 20. Juni 2002)