Vorschau: Dokumentation zu »THINGS TO COME. Eine Film-Installation über László, Lucia und Sibyl Moholy-Nagy«

„Das wird nichts mit dir und dem Film“, lieber Moholy-Nagy
Things to come – die Neufassung des filmischen Künstlerporträts

Excerpt aus dem Aufsatz von Thomas Tode

Bei Angela Zumpes Things to come handelt es sich um einen ineinander greifenden Splitscreen-Film, bei dem die beiden Bildspuren sich gegenseitig Zeichen geben: mal laufen nur leicht variierte Bildmotive parallel, mal verschiedene gegeneinander, mal zeitlich vorwärtsspringend, mal kontrapunktisch, mal völlig auseinanderdriftend, und gelegentlich splitten sie sich in noch zahlreichere Bildfenster auf oder vereinigen sich zu einem Gesamttableau. Die Ingredienzien sind Moholy-Nagys eigene Filme, kontextualisierende Dokumentaraufnahmen der Zeit, Animationen der Künstlerin mit Moholy-Motiven, einige Fotografien und vor allem inszenierte Spielszenen, in denen Moholy-Nagy, seine Ehefrauen Lucia und Sibyl und Lucias Bruder Franz Schultz auftreten.

Der Film setzt in der Nach-Bauhaus-Zeit ein, als Sibylle Pietzsch, Produktionsassistentin der Filmgesellschaft Tobis, von ihrem Chef den Auftrag erhält, den vorstellig gewordenen ungarischen Künstler mit seinem Experimentalfilm höflich abzuwimmeln, womit ihre Love-Story den Anfang nimmt. Der Film folgt in solchen Anekdoten vor allem Sibyls Memoiren „László Moholy-Nagy, ein Totalexperiment“ (engl. 1950; dtsch 1972), die in der Forschung bisher nicht so wertgeschätzt werden, vor allem im Gegensatz zu den Arbeiten der als exzeptionelle Fotografin anerkannten ersten Ehefrau Lucia Moholy. Das ist eine erste Setzung der Filmautoren (Buch: Oliver Held). Die Inszenierungen sind zudem durch eine wohltuende ironische Distanz geprägt: Wenn die ungarischen Großstadtzigeuner (in Moholys Film) zu ihren Musikinstrumenten greifen, dann tanzen im Parallelscreen auch László und Sibyl überzogen lebenslustig und ekstatisch, oder wenn der Londoner Filmproduzent Alexander Korda dem Künstler beibringt, dass seine Entwürfe für einen kommerziellen Film „zu ausgedacht, zu intellektuell“ sind, lispelt er süßlich.

Ungewöhnlich an diesem Künstlerporträt ist, dass es vor allem das Privatleben eines Künstlers behandelt, zwischen Frau und Geliebter und deren beider Berufsleben. Das eigentliche bildnerische Werk Moholy-Nagys tritt in den Hintergrund, ist zwar mit Hilfe der zahlreichen Filmzitate präsent, aber stets eingebunden in eine biografische Erzählung. Zugleich geht der Film der Frage nach, wie kann ein Kunstschaffender von seiner Arbeit leben? Wie sehr muss er strampeln, um zu überleben? Als Hochschullehrer oder doch lieber Künstler, Filmemacher und Bühnenbildner? Hier setzt die Filmautorin ihren eigenen Themenzuschnitt durch, zeigt das, was sie an dieser exemplarischen Biografie interessiert.

Für Moholy-Kenner und Insider ist der Film voller reichhaltiger Fundstücke und berücksichtigt die allerneuesten Forschungen, z.B. über Lucias Bruder Franz, über Moholys Werbefilme für Jenaer Glas, seinen 2019 wiedergefundenen Film „Tönendes ABC“ und selbst den Babyfilm über die Tochter „Hattula“, der lange nicht öffentlich zugänglich war. Es ist eine neue Art des (intelligenten) Fernsehens oder Schauens, denn wir resümieren mit Moholy: „Man kann nicht mehr die Malerei, die Fotografie, den Film und das Lichtspiel eifersüchtig voneinander trennen.“ Die aktuelle Konjunktur der Hybridfilme spiegelt und thematisiert dieses Ineinanderschieben und Zusammenleben der Künste – und das Schlußmachen mit den falschen Trennungen und Schubladen, die nur noch in den starren Strukturen der Hauptabteilungen des Fernsehens ihren letzten Verfechter besitzen. Letztlich gibt es nur inspirierte Filme und uninspirierte!

Die Langfassung des Textes befindet sich in der Dokumentation »THINGS TO COME. Eine Film-Installation über László, Lucia und Sibyl Moholy-Nagy«
Demnächst zu beziehen über info@paste-up.de

1 1944, in: Vision in Motion.

THINGS TO COME im Collegium Hungaricum Berlin

Weitere Termine: 10. und 18. Oktober 19.00


© CHB, Foto: Krisztina Turna

Zur Filmpräsentation im Rahmen der Bauhausausstellungen ein Artikel auf BAF – Berliner Arbeitskreis Film e.V. von Wolf Friedel

THINGS TO COME was developed from a video art installation by Angela Zumpe in celebration of the Bauhaus Centennial at the Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale). The work highlights various scenes from the lives of celebrated Bauhaus artist László Moholy-Nagy and his partners, Lucia und Sibyl, based on the biography »Eyperiment in Totality« by Sibyl Moholy-Nagy.
By 1929, Moholy-Nagy had left the Bauhaus and was trying to find his feet in 1930s Berlin with his work in film advertisement and as scenographer. This film tells the story of a visionary light designer who foundered in the face of the desires of the film-going masses.

Interview auf Radio Corax

THINGS TO COME in der Lyonel-Feininger Galerie Quedlinburg 2.10.-2.12.2019

Eröffnung 1.10.2019 in der Lyonel Feininger Galerie in Quedlinburg

„I have seen the future“. László Moholy-Nagy und die Filmavantgarde der 20/30er Jahre. Einführung von Thomas Tode (Filmwissenschaftler Hamburg)

THINGS TO COME ist aus der künstlerischen Filminstallation von Angela Zumpe (Skript Oliver Held, Musik Ilja Coric) anläßlich des Bauhausjubiläums für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) entstanden. Der Film thematisiert in verschiedenen Szenen Ereignisse aus dem Leben des Bauhaus-Meisters László Moholy-Nagy und seinen Partnerinnen Lucia und Sibyl. 1929 hat Moholy-Nagy das Bauhaus bereits verlassen und versucht neben seinen Tätigkeiten als Szenograph und für die Werbung beim Film im Berlin der 1930er Jahre Fuß zu fassen. Erzählt wird die Geschichte eines visionären Lichtdesigners, der am Massengeschmack des Kinopublikums scheitert.
https://www.grandtourdermoderne.de/magazin/events/things-to-come/
https://www.feininger-galerie.de/museum/sonderausstellungen/

Things to come – at Kunstmuseum Moritzburg Halle

THINGS TO COME – moving picture about László, Lucia and Sibyl Moholy-Nagy
film installation by Angela Zumpe
script: Oliver Held, music: Ilja Coric, camera: Frank Marten Pfeiffer



Grand Tour der Moderne

In a loose sequence of scenes, “Things to come” covers various stations and events in the lives of the Bauhaus Master and designer László Moholy-Nagy and his partners Lucia Moholy und Sibyl Moholy-Nagy. It is the story of a visionary light designer doomed to failure by the cinematic tastes of the masses. Inspired by this artist’s works, projectors and light sources are used to display structures and images upon various surfaces in the exhibition space. Modern digital technology is able to realise these images in the style of the “cinema of the future” envisaged by Moholy-Nagy in the 1930s. Visitors will be able to wander through the scenes, which are staged and arranged within the space as projections of light, image and sound.

Hungarian-born László Moholy-Nagy (1895–1946) was a painter, photographer, typographer and stage designer. Between 1923 and 1928 he taught at the Bauhaus in Weimar and Dessau. His oeuvre blazed a trail for future media artists, particularly in the fields of fine-art photography, art film, and film advertisment.
https://www.kunstmuseum-moritzburg.de/museum-ausstellungen/sonderausstellungen/things-to-come/

Things to Come – erfolgreicher Start im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

Eine Film-Installation zu László Moholy-Nagy und seinen Partnerinnen Lucia und Sibyl
von Angela Zumpe, Skript Oliver Held, Musik: Ilja Coric
Interview auf radiocorax

© paste up production © Michael Deutsch

Sneak Preview

© Tatlin Turm: Courtesy of Marek Budzynski, Lutz Becker, 1941, „Der Berliner Funkturm“, Bundesarchiv, Bestand Film: B-110173, »Ein Mittagessen in Jenaer Glas« 1934 Schott Archiv, © paste up production 2019 https:/

Lucia Moholy: Sina Wilke
Sibyl Moholy-Nagy: Verena Walden
László Moholy-Nagy: Florian Denk
Franz Schulz: Marc Philipp
Als Gast: Linde Fulda als Lady Asquith

Weitere Termine im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Videoparcour im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

23.06.- 25.8.2019 im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
02.10. – 02.12. 2019 Lyonel-Feininger-Galerie Quedlinburg
13.12.2019 – 12.01.2020 Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau

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Die Film-Installation THINGS TO COME thematisiert in 12 Szenen Ereignisse aus dem Leben des BAUHAUSlehrers László Moholy-Nagy und seinen Partnerinnen Lucia und Sibyl zwischen 1929 und 1935. Auf mehreren Projektionsflächen im Raum wird die Geschichte präsentiert.

Es ist die Geschichte eines visionären Lichtdesigners, der am Massengeschmack des Kinopublikums scheitert. Inspiriert von Entwürfen László Moholy-Nagys, dem experimentellsten unter den Bauhaus-Künstlern, werden mit Projektoren und Lichtquellen Strukturen und Bilder auf Flächen im Raum verteilt. Mit heutiger Digitaltechnik werden Momente aus Moholy-Nagys bewegtem Leben in jenem Stil umgesetzt, die dem Künster in den 1930er Jahren als das Kino der Zukunft vorgeschwebt haben mag. Die Szenen sind als Licht-Bild-Ton-Inszenierung mittels Projektion im Raum angeordnet, die das Publikum in einem Parcour durchwandert.

Zugleich ist THINGS TO COME die Geschichte der beiden Ehefrauen des Künstlers, Lucia und Sibyl. Lucia hatte László Moholy-Nagy bei seiner Berufung ans Bauhaus 1923 zunächst nach Weimar, dann nach Dessau begleitet und mit ihm gemeinsam die Fotogramme entwickelt und maßgeblich bei den theoretischen Schriften mitgewirkt. Sibyl lernte László 1931 in Berlin kennen, folgte ihm ins Exil nach London und wanderte mit ihm 1937 in die USA aus.

Angela Zumpe – Und die Geister nehme ich mit

Erschienen im Juni 2019 im Distanz Verlag

Persönliche Geschichte der Berliner Künstlerin Angela Zumpe, die nach der deutschen Wiedervereinigung als Professorin für Audiovisuelle Medien an die Hochschule Anhalt nach Dessau kommt. Das Buch schildert den Fachbereich Design in einer Zeit von Aufbruch, Umbruch und Gründung wie auch zwanzig Jahre Lehre und Leben beim und mit dem Bauhaus. Mit einem Text von Bazon Brock zur Biografie der Künstlerin.

Text zum Buch von Harald Theiss Kunsthistoriker und Kurator

Angela Zumpe is a filmmaker, media artist, and painter. In “Und die Geister nehme ich mit …” she tells her personal story, as well as her encounter with the Bauhaus in Dessau after German reunification – a time of change, new beginnings, and new foundations. In 1998, Angela Zumpe followed the call to the Anhalt University of Applied Sciences and became Professor for Visual Media in the Department of Design, where she helped shape new ways of life and teaching.

This publication is a fragmentary autobiography in images and, with its workshop-style report, establishes numerous references to the historical Bauhaus, since, to this day, the design approaches to form and material have lost none of their validity. Thus, the author also reflects on the current educational system and possible spaces for creative thought spaces – then and now. At the same time, she documents her artistic development, which she has continued to advance over the years in Dessau. With a text by Bazon Brock on the artist’s biography.
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Künstlerleben (AT) – 3 screen Videoinstallation


Zu sehen ab 19.00 Fassade Kulturhaus Schöneberg, Kyffhäuser Str. 23, 10781 Berlin, parterre reTemporäre Ausstellung – open archive – von Angela Zumpe im Kulturhaus anläßlich des Jubiläums am 1. September 2018

Schon immer war Berlin ein Magnet für Maler, Filmemacher, Performancekünstler aus vielen Ländern. West-Berlin in den 1980er/90er Jahren galt als einsame Insel im Meer des Kommunismus, so sahen es viele von außen. Vor dem Grundrauschen der Kalten Kriegspropaganda endstand ein Mischung aus No-Future und einem trotzigen »Jetzt-erst-recht«. Für uns eine Zeit, in der man unbeschwert Dinge ausprobieren konnte. Wir studierten Malerei an der HdK (heute UDK), einige gingen danach nach New York. Vorn dabei waren die Berliner Wilden, die gerade in Berlin mit ihrer spektakuären Ausstellung im Haus am Waldsee durch die Decke gegangen waren, worauf die ZEITGEIST-Ausstellung folgte, die sie endgültig bekannt machte.

Aber es gab auch die anderen, die keine internationale Karriere machten und trotzdem ihren eigenen Weg gingen, bis heute zwischen zwischen Havarie und Hype, wie z.B. Ter Hell – 1980 gehörte er zur Gruppe 1/61, der eher konzeptuell ausgerichteten Konkurrenz zur neo-expressiven Malerei der Galerie am Moritzplatz. Wie ist aber die Situation heute – in einer unübersichtlich gewordenen Szene, in der Künstler wie Touristen gleichermaßen die Stadt fluten. Rette sich wer kann?
© AZ 4/18